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Der Venusdurchgang vom 6. Juni 1761

Edmond Halley war 1742 verstorben. Er hatte 1716 an die Royal Society einen dringender Aufruf gerichtet, die bevorstehenden Venusdurchgänge zu beobachten:

We therefore recommend again and again, to the curious inverstigators of the stars, to whom, when our lives are over, these observations are entrusted, that they, mindful of our advice, apply themselves to the undertaking of these observations vigorousely. And for them, we desire and pray for all good luck, especially that they may not be deprived of this coveted spectacle by the unfortunate obscuration of cloudy heavens, and that the immensities of the celestial spheres, compelled to more precise boundaries, may at last yield to their glory and eternal fame.
zietiert nach Maunder, Moore: Transit

Wir empfehlen daher wieder und wieder den wissbegierigen Sternforschern, denen, wenn wir gestorben sind, diese Beobachtungen anvertraut sind, dass sie sich, eingedenk unseres Ratschlages, mit aller Kraft der Durchführung dieser Beobachtungen widmen. Wir wünschen ihnen und erbitten für sie alles Glück, vor allem, dass ihnen das ersehnte Schauspiel nicht durch die unglückliche Verfinsterung eines wolkigen Himmels vorenthalten bleibt, und dass die Himmelssphären mit ihrer ungeheuren Größe, in genauere Grenzen eingeengt, schließlich zu ihrer Ehre und ihrem ewigen Ruhm beitragen mögen.

Der Aufruf Halleys wurde 19 Jahre nach seinem Tod befolgt: fast zweihundert Astronomen an mehr als 120 Orten erwarteten das Ereignis. Hier einige der wichtigsten Unternehmungen und ihre Teilnehmer:

Frankreich

Le Gentil, Jean Baptiste
Pingré, Alexandre Guy
Chappe d'Auteroche, Jean
Cassini de Thury, César François
de Lalande, Joseph Jérôme

Pondichérry (Indien)
Isle de Rodrigues (Ind. Ozean)
Tobolsk (Sibirien)
Wien
Luxemburg

England

Mason, Charles u. Dixon, Jeremiah
Maskelyne, Nevil
Bliss, Nathaniel
Winthrop

Kap der Guten Hoffnung
St. Helena
Greenwich
St. John's, Neufundland

Österreich

Hell, Maximilian

Vardoe

Schweden

Wargentin, Peer

Stockholm

Dänemark

Horrebow, Peter

Kopenhagen

Holland

Lulofs, Johan
de Munck, Jan
Klinkenberg, Dirk
Mohr, Johan Maurits

Leiden
Middelburg
The Hague
Batavia (Jakarta)

Italien

 Zanotti, Eustachio

Bologna

Portugal

de Almeida

Porto

 


Diese Abbildungen der Sichtbarkeitsgebiete werden mit freundlicher Genehmigung von Antonius Schrode, Frankfurt/M. wiedergegeben. Auf seiner Website finden Sie u.a. einen Beitrag über die Grundlagen und Geschichte der Merkur- und Venusdurchgänge sowie ein umfangreiches Angebot astronomischer Software für Windows (teilweise auch zum kostenlosen Herunterladen).

Einige Expeditionen führten in entlegene Regionen und erforderten lange und beschwerliche Reisen, wie die von Jean Chappe d'Auteroche nach Sibirien, andere wurden durch die Wirren des englisch-französischen Kriegs behindert: Le Gentil, der sein Ziel nicht rechtzeitig erreichte, musste das Ereignis vom schwankenden Boden eines Schiffes erleben ohne die geplanten astronomischen Messungen durchführen zu können. Newcomb und Engelmann schreiben (Poluläre Astronomie, Leipzig 1881):

Von einem wahren Fatum wurde namentlich Le Gentil heimgesucht. Für den Durchgang von 1761 war er zu spät eingetroffen, und er entschloss sich nun, acht volle Jahre in Pondichérry zu warten, um wenigstens den Durchgang von 1769 zu beobachten. Alles liess sich, am 3. Juni, erst günstig an; aber neidische Wolken verhüllten, kurz vor dem Eintritte der Venus, die Sonne und raubten ihm die sichere Frucht achtjährigen Hoffens und Harrens.

Michail Wassiljewitsch Lomonosow (1711&endash;1765), der den Transit von St. Petersburg aus beobachtete, sah beim Eintritt und beim Austritt einen schwach leuchtenden Ring um die schwarze Scheibe der Venus, den er als ihre Atmosphäre deutete.

Globale Zeiten (geozentrisch, UT)
berechnet mit
CalSKY - Astronomical and Space Calendar (Arnulf Bermetter)

Eclipse begins

01 h 55 m 12 s UT

Maximum eclipse (22.5 %)

05 h 19.2 m (ET-UT=14.3 s)

Eclipse ends

08 h 43 m 11 s

Duration

6 h 47 59 s

Paris
berechnet mit
CalSKY - Astronomical and Space Calendar

Eclipse at Sunrise

03 h 47.9 m
Magnitude 3.1 %

Position angle 345.6°

Maximum eclipse
(22.5 %)

05 h 22 m 25.3 s
(ET-UT=14.3 s)

Position angle 165.6°
Altitude 12.7°

Umbra eclipse ends

08 h 17 m 32.2 s

Position angle 215.8°
Altitude 41.0°

Partial eclipse ends

08 h 35 m 51 s

Position angle 218.6
Altitude 43.9°

Stockholm (59.35° N, 18.08° E)
berechnet mit
CalSKY - Astronomical and Space Calendar (Arnulf Bermetter)

Partial eclipse begins

02 h 06 m 39 s

Position angle 112.7°
Altitude 1.7°

Umbra eclipse begins

02 h 25 m 17.7 s

Position angle 115.5°
Altitude 3.5°

Maximum eclipse
Magnitude 3.05 %

05 h 21 m 31.6 s (ET-UT=14.3 s)
Duration:
total/annular phase=350.81 min
partial phase=6.46 h

Position angle 165.6°
Altitude 23.8°

Umbra eclipse ends

08 h 16 m 06.2 s

Position angle 215.7°
Altitude 44,8°

Partial eclipse ends

08 h 34 m 24 s

Position angle 218.5
Altitude 43.9°

Nach der Methode von Halley mussten die genauen Zeiten von sowohl bei Eintritt als auch bei Austritt gemessen werden, was an nur wenigen Orten möglich war. In Europa begann der Durchgang bereits in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni.

Im Rahmen der Planungen zeigte Delisle, dass der Weg der Venus über die Sonnenscheibe weit weniger nahe der Mitte erfolgt als von Halley vorausgesagt, was die Dauer des Transits um 1 h 20 min verkürzen sollte. Auch betrug der Unterschied der Transitdauern nur etwa 9 Minuten (statt des maximalen Wertes von 17 Minuten für Beobachtungen an den Erdpolen).

Nach dem Plan von Josef Nicolas Delisle (1688-1768) genügt es, den inneren Kontakt beim Eintritt oder beim Austritt für weit auseinanderliegende Orte zu beobachten (z.B A=Tobolsk, B=Rodrigues) und die Distanz zwischen den beiden Sehnen a und b zu bestimmen. Das Verhältnis der Abstände Venus-Sonne und Venus-Erde beträgt etwa 0.72:0.25=2.6. Der Abstand der Beobachtungsstationen A und B auf der Erde erscheint um diesen Faktor vergrößert auf der Sonnenscheibe. Hierfür ist jedoch im günstigsten Fall (AB=Erddurchmesser) ein Winkeldurchmesser von nur 0.7 Bogenminuten zu erwarten. Dies ergibt als Abstand der Sehnen a und b etwa 1/40 des Sonnendurchmessers und weniger als die Ausdehnung des Venusbildes auf der Sonnenscheibe.

Hierzu ein Applet: Halley: Determining Absolute Scale of Solar System

Die Ergebnisse waren insgesamt enttäuschend: die ungenaue Kenntnis der geographischen Länge und das Phänomen des schwarzen Tropfens bedingt durch ein Zusammenwirken der Venusatmosphäre und der Sonnenkorona), das den Fehler in den Kontaktzeiten auf mehr als 30 Sekunden steigerte ( Black drop effect, The “black drop” phenomenon and astigmatism).

Die Werte für die Sonnenparallaxe lagen zwischen 8.5'' und 10.5'', entsprechend einem Sonnenabstand zwischen 155 und 125 Millionen Kilometer (berechnet mit Erdradius 6371.14 km). Rechnung und Tabelle hier.

 

Links

Edmond Halley's Famos Admonition of 1716

The Transit of Venus and the Notorious Black Drops
The appearance of a dark band connecting Venus and the Sun during the beging and end of Transits. It is caused by the presence of an atmosphere on Venus.

Voyage en Sibérie en 1761

Observations by Zanotti (digitized pages, Università di Bologna)

Guido Horn about the "black drop effect" (Università di Bologna)

Books

You can read more on the Dutch 1761/1769 observations in:

J. van der Bilt, Venus tegen de zonneschijf. Groningen/Batavia (1940)

H.J. Zuidervaart, Van 'konstgenoten' en hemelse fenomenen. Rotterdam (1999)

Letzte Änderung: 29. 04. 2012